Hannelore Schneiders, Mitglied der Bürgerinitiative, hat am 26. Juni in einem Brief an Landrat Rolf Menzel die Beantwortung der offenen Fragen reklamiert:
Sehr geehrter Herr Landrat,
heute möchte ich mich in Sachen Erddeponie Lüderich an Sie wenden, weil Sie mir in diversen Gesprächen angeboten haben, dass ich mich in dieser Angelegenheit jederzeit vertrauensvoll an Sie wenden darf.
Vertrauensvoll – ein starkes Wort!
Je mehr ich in den vergangenen Monaten Einblick und Überblick in den Bereich Deponierung bekommen habe, desto mehr habe ich an Vertrauen verloren. Vertrauen in Antragstellung, Genehmigung, Ausführung, Prüfung.
In den letzten Wochen gibt sich die AVEA große Mühe, die gemachten Fehler auf der Deponie nachzubessern.
Auf Einladung von Herr Sprokamp wurden Herr Falk und ich am 02.06. bei einem Spaziergang auf dem Deponiegelände von Herrn Sprokamp und Herrn Möller über die für Herbst geplanten Anpflanzungen und die verbesserten Entwässerungseinrichtungen informiert.
Bitte machen Sie sich selbst ein Bild hierzu:
Foto 1
http://deponie.steinenbrueck.de/bilder/Schneiders/Foto1.JPG
zeigt das jetzige Rückhaltebecken mit Mönchbauwerk. Lt. Nachmessung und Bericht von Herrn Büttgens hat dieses Becken angeblich ein Nutzvolumen von 550 cbm. Eigene Vermessungen durch Fachleute der Bürgerinitiative haben dagegen ein fast um die Hälfte geringeres Volumen ergeben. Nach dem Planfeststellungsbeschluss müsste das Rückhaltevolumen jedoch 740 cbm umfassen.
Herr Büttgens berichtete auf der Sitzung des RBK-Umweltausschusses am 27.05., dass man sich bei der damaligen Schlussabnahme des Rückhaltebeckens leider auf eine Fehleinschätzung gestützt habe, jetzt aber betrachte er all diese Becken zusammen mit ca. 1.000 cbm Nutzinhalt als ausreichend.
Diese Auslegung hat mich verwundert. Abgesehen vom falschen Volumen (das kann man ja sicher nochmals überprüfen) dürfen doch die vorgebauten Absetzbecken nicht hinzu gerechnet werden, weil sie in der Genehmigung zusätzlich zum Regenrückhaltebecken gefordert wurden !?
Foto 2
http://deponie.steinenbrueck.de/bilder/Schneiders/Foto2.JPG
zeigt eines der Auffangbecken/Absetzteiche auf der anderen Seite des Weges, das z.Zt. frei von Schlamm ist. Hier war sogar Herr Sprokamp mit diesem Becken nicht glücklich, denn er bat Herrn Möller, ob man das Erdloch nicht mit Steinen auskleiden könne, damit „die Leute auch sehen können, dass es sich hier um ein Wasserbecken handelt.“
Foto 3
http://deponie.steinenbrueck.de/bilder/Schneiders/Foto3.JPG
zeigt ein weiteres, zusätzliches „Becken“ seitlich im unteren Bereich der Deponie,
Foto 4
http://deponie.steinenbrueck.de/bilder/Schneiders/Foto4.JPG
den Zulauf zu diesem Becken. Bitte urteilen Sie selbst !
Lieber Herr Menzel, auch wenn die Verantwortlichen von AVEA sich jetzt alle Mühe geben, ändert sich nichts an der Tatsache, dass das geforderte zentrale Rückhaltebecken mit 740 cbm Nutzinhalt einfach nicht erstellt wurde. Und es sind Becken gefordert, keine Erdlöcher.
Auch die Zulaufrinnen können m. E. nicht dem geforderten Standard entsprechen und somit ihre Funktion nicht erfüllen.
Es sind bei der Deponierung auf dem Lüderich so viele Fehler gemacht worden, es bestehen so viele Ungereimtheiten bei den Genehmigungen, Prüfungen und Abnahmen, die für mich und für viele meiner Mitbürger unverständlich sind und bleiben. Unverständlich ist für uns vor allem, dass derartige Fehler und Fehleinschätzungen so ganz ohne Folgen bleiben.
Und für Vertrauen sorgen all die Vorgehensweisen in keinem Fall.
Es geht nicht darum, „Köpfe rollen“ zu lassen, mit der Aufdeckung der Fehler und der Einsicht bei den Beteiligten können vielleicht solche Verfehlungen in Zukunft vermieden werden.
Den größten Respekt haben sich diejenigen jungen Politiker bei so manchem politikverdrossenen Steinenbrücker verdient, die mutig vor uns hingetreten sind und zugegeben haben, dass sie die Tragweite ihrer Entscheidung nicht richtig geprüft und eingeschätzt haben.
Als erfreulich habe ich empfunden, dass Herr Deppe sich bei der Sitzung am 27.05. lobend über die Steinenbrücker geäußert hat, die mit viel Sachverstand die vielen Fehler und Versäumnisse aufgedeckt hätten. Er sagte auch, dass der Dialog mit der Bürgerinitiative Sinn gebracht hat und: „alles hätte schon viel früher gemacht werden müssen.“
Trotzdem- ich persönlich bin manchmal wütend und manchmal einfach nur traurig und müde, wenn immer mehr ans Licht kommt, wie wir Bürger übergangen und offensichtlich für dumm verkauft werden. Dass nach den Feststellungen der Kreisverwaltung der Deponiebetrieb in Steinenbrück “im Wesentlichen ordnungsgemäß verläuft”, ist für uns noch nicht zu sehen.
An Ihre ehrliche Betroffenheit habe ich zum ersten Mal geglaubt, als ich bei unserer gemeinsamen Deponie-Wanderung auf dem m. E. völlig unsachgemäß und unnötig gerodeten Waldstück Ihre Reaktion beobachten konnte. Traurig, dass man auch hier beim Gespräch am 09.04. offensichtlich wieder versucht hat, uns Bürger mit einer – vorsichtig gesagt – Notlüge abzuspeisen.
Die Aussage der AVEA, dass offene Grundstücksfragen die vorzeitige Rodung im westlichen Deponieteil erfordert haben, war falsch und wir alle wissen mittlerweile, dass die Rodungen im November nur als Vorbereitung der DK I – Deponierung dienen sollten. Ehrlich: Man hat ja mit der Reaktion der Steinenbrücker nicht gerechnet.
Auf diesem Waldstück versucht man nun Ordnung zu schaffen und die „Facharbeiter“ haben hierbei wieder weitere Bäume beschädigt.
Auch hat man dort oben jetzt mit Ästen und Zweigen einen hohen Wall errichtet, aber auch dies wird keinen Spaziergänger daran hindern, weiterhin Einblick auf die Deponiefläche zu nehmen und sich ein Bild zu machen. Immer wieder kommen neue Hinweise und Sachverhalte – ich bin stolz auf Steinenbrück, denn hier ist doch sehr viel Fachwissen und noch viel Potential, dass all die Verfehlungen auch nachweisen kann.
Lieber Herr Menzel, dass Sie und alle anderen Politiker des RBK um den Bestand der Müll-Kooperation mit Oberberg und die Zukunft des BAV fürchten, versuche ich zu verstehen. Aber das darf nicht auf dem Rücken der Steinenbrücker ausgetragen werden. Die Fehler wurden nicht von uns gemacht. Und DK1 darf und kann auf dem Lüderich auf keinen Fall deponiert werden, dies müssen selbst Ihre Kollegen aus Oberberg einsehen.
Immer wieder – in Telefonaten und fast bei jedem Einkauf – bekomme ich die gleichen Hinweise auf Eindrücke von „betreiberfreundlichen“ Auslegungen der Genehmigungsunterlagen und muss mir anhören, dass „man keinem von denen trauen darf“ – das ist sehr ermüdend – Sie werden dies nachvollziehen können.
Ich möchte nach vorne sehen und mich trotz allem heute vertrauensvoll an Sie wenden und die an mich immer und immer wieder gestellten Fragen an Sie weitergeben:
- Wann bekommen all die Bürger eine Antwort auf ihre vielen Fragen und Einwendungen?
- Wann vor allem erfahren wir offiziell, dass das Vorhaben der DK1-Deponierung auf dem Lüderich endgültig aufgegeben wird?
- Wenn bis 2019 (dem von Ihnen, BAV und AVEA garantierten Ende der Deponie
rung auf dem Lüderich) weiter DK-O deponiert wird, wer garantiert uns einen ordnungsgemäßen Deponiebetrieb?
Freundliche Grüße aus Steinenbrück sendet Ihnen
Hannelore Schneiders
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